Yin und Yang in Jacob Böhmes Philosophie
Der Görlitzer Mystiker und Philosoph Jacob Böhme (1575 – 1624) offenbart in seinen Schriften eine von der christlichen Kirchenlehre erstaunlich unabhängige und freie Weltsicht, die er aus der Beobachtung der Natur herleitet. In einigen Gedanken spiegeln sich in dieser von einem Görlitzer Schuster entwickelte Philosophie Elemente der daoistischen Weltsicht, die ebenfalls elementar auf Naturbeobachtungen beruht.
Licht und Finsternis, Gut und Böse, männlich und weiblich – alle diese Gegensätze sind laut Böhme in der Natur und allen Wesen, wie auch in uns Menschen präsent. Aus der Spannung des Gegensatzes entstehen alle Dinge:“Der Leser soll wissen, daß in Jah und Nein alle Dinge bestehen, es sey Göttlich, Teuflisch, Irdisch, oder was genant mag werden (Quaestiones theosophicae 3,1) und „Es ist nichts in der Natur, da nicht Gutes und Böses innen ist“ (Aurora 2,5).
Sie sind voneinander abhängig und bilden eine untrennbare Einheit. „Es ist ein ewiges Contrarium zwischen Finsterniß und Licht: Keines ergreiffet das ander, und ist keines das ander, und ist doch nur ein einiges Wesen“ (Von der wahren Gelassenheit 2,10).
In seinem Hauptwerk „Morgenröte im Aufgang – Aurora“ beschreibt Böhme das Verhältnis der Gegensatzpaare so, dass wir das chinesische Yin und Yang Symbol Taijitu erkennen können: „Mitten im Tode wird das Leben geboren und mitten in der Finsterniß das Licht“ (Aurora 9,21)
